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Röthner Schlössle - Ein Blick in die Geschichte

Erst seit 1989 ist das Röthner Schlössle renoviert und Sitz der Gemeindeverwaltung und des Standesamtes.

Wie alles begann
Das Gebäude wurde um 1500 als adeliger Gutshof inmitten der Weingärten, Obstgärten und Felder errichtet. Die Feldkircher Patrizierfamilie Litscher baute hier ihren Wein an und wohnte auch teilweise in Röthis.

Im Gegensatz zu den sonst üblichen Bauernhäusern aus Holz wurde hier großzügig und in Stein gebaut, im Typus der in Vorarlberg im Spätmittelalter und der Frühneuzeit üblichen Landedelssitze. Ein einfacher, rechteckiger Baukörper aus Steinmauerwerk, ein zweistöckiger Dachstuhl mit Satteldach und ein Stiegenhausturm an der Westseite. Ein schlichtes, massives Gebäude.

Im Lauf der Jahrhunderte wechselten die Besitzer und auch die Nutzungen des Schlössles, es wurde immer wieder umgebaut und modernisiert. Die Familie Frey von Schönstein lebte hier rund 200 Jahre (1550 bis 1777), vor allem in diese Zeit fallen viele kulturhistorisch wichtige Adaptierungen. Das ist zum Beispiel die für Vorarlberg einmalige Architektur-Renaissance-Bemalung des Saales in Grisaille-Technik. Diese grau-in-grau Bemalung wurde erst wieder im Zuge der Sanierung entdeckt und aufwändig restauriert. Der Saal wurde um 1670 mit einer Holz-Kassettendecke ausgestattet, die Sonnenuhr glänzt seit 1672 an der Südfassade und auch die 1754 barocken Stuckdecken im 2. Obergeschoss zeugen davon, dass die Familie Frey von Schönstein hier wohnte und sich standesgemäß repräsentierte.

Anschließend lebte im Schlössle die Familie Clessin, die den älteren Röthnern noch in den Ortsbezeichnungen "Clessis Halda" und "Clessis Bühel" ein Begriff ist. Diese Patrizierfamilie aus und über das Bregenzerische Wochenblatt wurde 1836 das Schlössle feilgeboten. Interessant ist, dass hier der "Freyersche Hof" in einer genauen Auflistung beschrieben wurde. Von Stallungen für 20 Stück Hornvieh, über einen Torkel und Laufbrunnen bis hin zu Obstbäumen und Weinreben.

Wohnhaus für Bauern gelangt in Gemeindehand
Nach diesem Verkauf war der ehemalige Adelssitz in bäuerlichen Händen. Die Bewohner adaptierten entsprechend Ihrer Bedürfnisse, bauten eine neue Stiege ein, verlegten den Eingang, machten aus dem ehemals prunkvollen Saal einfache Wohnräume. Sie übermalten und ließen das Anwesen verkommen.

Im 20. Jahrhundert hatte das Schlössle zuletzt fünf verschiedene BesitzerInnen, und war in desolatem Zustand. 1967 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Mit dem Jahr 1979 begann die Gemeinde nach und nach bis ins Jahr 1985 den Kauf des Schlössles samt 62 ha Grund von den verschiedenen EigentümerInnen. Die Gemeindevertretung unter Bürgermeister Gerold Keckeis fasste 1986 einen Grundsatzbeschluss: Die Gemeindevertretung wird ins Schlössle verlegt, das damalige Gemeindehaus in ein Vereinshaus umgestaltet. Gleichzeitig beauftragte das Bundesdenkmalamt eine ausführliche Bauanalyse.

Sanierung mit Vision
Mit der Planung und dem Umbau beauftragt wurde Architekt Rainer, auf dessen Idee ein neuer Anbau im Nordosten errichtet wurde. Dadurch blieb wertvolle historische Bausubstanz  im Inneren erhalten und die Erschließung samt Einbau eines Liftes, feuersicherem Archiv und WC-Anlagen waren mit einem Schlag gelöst. Im 1. Obergeschoss befindet sich heute das Gemeindeamt. Die prunkvolleren Räume im 2. Obergeschoss beherbergen das Standesamt, einen Mehrzwecksaal für Sitzungen, Konzerte und Trauungen und eine Teeküche. Im Erdgeschoss, lange als Zahnarztpraxis genutzt, ist eine Anwaltskanzlei eingezogen. Die Kellerräume werden für Veranstaltungen oder Weinverkostungen genutzt. Zwei Jahre (1987 bis 1989) dauerte die Bauzeit und Berichte aus dieser Zeit lassen darauf schließen, dass es eine Zeit des Miteinanders und der Kooperation war. Ein gemeinsames Werk von Architekt Rainer, Bundesdenkmalamt und heimischen Betrieben, unterstützt und zur Hälfte finanziert von der Gemeinde Röthis. Für alle ein zukunftsweisendes Proejt, das mit Vorbildwirkung zeigen sollte, was aus alter Bausubstanz entstehen kann. Dank seiner Funktion als Gemeindeamt, Standesamt und Veranstaltungsraum sollte es ein offener Ort für die Bevölkerung sein.

Nach 25 Jahren Nutzung können die Planer und Macher von damals zu Recht stolz sein, denn Ihre Vision von damals ist Realität geworden. Das Schlössle in Röthis ist und bleibt eine vorbildliche Sanierung im Sinne der Denkmalpflege und funktioniert vor allem im Alltag für seine Nutzer.